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space for > Projektbeschreibung Rainer Iglar / Verlag „Fotohof edition Salzburg“

Ulrike Brückner setzt sich in „Space for“ mit den neuen – sozialen – Räumen in den Weiten des Internets auseinander.

Ausgangspunkt sind private Fotografien, die in unterschiedlichen Plattformen und Foren veröffentlicht wurden. Sie hat die Figuren aus ihrer ursprünglichen Umgebung herausgeschnitten und in einen imaginären, nicht definierten künstlichen, leeren Raum gestellt. Dieser Bildraum reduziert sich meist auf matte, farbige Flächen und eine Horizontlinie. Auf dieser virtuellen Bühne treten die Figuren auf, wobei der Fokus auf die Körpersprache gesetzt wird. Die bearbeiteten Bilder sind in verschiedene Rubriken unterteilt – winners / kids / profiles / pets. Die nur etwas überhöhte bildliche Formulierung macht die Aura der Unwirklichkeit sichtbar, die der Prozeß der medialen Transformation um die Personen erzeugt. 


Interview:

Anna Gripp / Magazin „Photonews“ 

„Ich beschäftige mich mit visueller Kommunikation“, sagt Ulrike Brückner auf die Frage nach der eigenen Berufsbezeichnung. „Fotografin“ oder „Künstle­rin“ mag sie sich nicht nennen. Seit 1999, seit Abschluss ihres Studiums, arbeitet sie an freien und angewandten Projekten zwischen Grafikdesign und Fotografie. Zwei Mal wurde sie mit dem „red dot award: communication design“ ausgezeichnet, darunter 2007 für die Gestaltung des Buches „Hier“, das sich mit deutscher Identität in Grenzregionen befasst (die Texte schrieb Helga Kurzchalia, Angelika Barz fotografierte). Ulrike Brückner greift auch selbst zur Kamera, doch im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht der Umgang mit fremden Fotomaterial, das sie als Gestalterin ansprechend präsentiert oder für eigene Projekte in neue Bilder transformiert.

Wie die meisten Gestalter und Künstler ist Ulrike Brückner fasziniert von den Bildwelten im Internet, hier insbesondere von den massenhaften Fotos von Privatpersonen, die mit erstaunlicher Unbefangenheit bei flickr & Co. gezeigt werden. Wer sich so präsentiert erwartet immer auch ein Echo, einen Kommentar – sei es von einem schwer abzugrenzenden „Freundes­kreis“, potentiell Gleichgesinnten oder allgemein von der internationalen Netz­gemeinde. „Ja, ich will kommentieren“, sagt Ulrike Brückner und sie tut dies visuell, mit den ihr eigenen Mitteln in der Arbeit „Space for“.

Zu Beginn steht immer die Selektion. Für ihre Serie „Profile“ wählte Ulrike Brückner Bilder aus, die der Selbstdarstellung dienen, zuweilen mit dem Anliegen einer erotischen Kontaktaufnahme. In „Winners“ zeigen sich stolz Menschen, die gerade einen Preis gewonnen haben. Weitere Kapitel sind „Kids“ und „Pets“ gewidmet. Auch hier schwingt der Stolz der Eltern bzw. Besitzer mit.

Die Szenen haben etwas Rührendes. Mensch und Tier strahlen Ver­letzlichkeit aus, was einen Widerspruch zu der unkontrollierbaren Öffentlichkeit bildet, der sie ausgesetzt werden. Durch das Herauslösen der Figuren aus ihrer Umgebung, die Unschärfe  und den großzügigen, neu geschaffenen Freiraum („Space for“) wird dies noch verstärkt. Zudem findet eine Konzentration und Aufwertung statt. „Ich wollte einen Weg finden, der die Bilder ansehbar macht, sie aus dem Trash löst“, erzählt Ulrike Brückner. Sie druckt die Bilder auf hochwertigem Papier im Format 60 x 90 cm aus und präsentiert sie nun auch in einem Buch.

Das Internet war eine wichtige Basis für „Space for“, setzte es doch ein Staunen, eine Neugier in Gang über diese „unglaublichen Bilder“. Zugleich schult es die Wahrnehmung, da eine Archivierung des Gesehenen immer auch ein Bestimmen eigener Parameter voraussetzt. Heute, sagt Ulrike Brückner, ist das Internet für sie nicht mehr so wichtig und sie kann sich vorstellen, ähnliche Bildergebnisse anhand anderer Quellen zu schaffen.  Doch der „Space for“ musste erst einmal geschaffen werden. A.G.  

 

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 Interview:

SZ-Magazin“

SZ-Magazin: Frau Brückner, Ausgangspunkt Ihrer Arbeit Space for sind im Internet veröffentlichte, private Fotografien, die Sie aus ihrer ursprünglichen Umgebung herausschneiden und in einem künstlichen Raum neu präsentieren. Wie sind Sie auf die Idee gekommen? 

Ulrike Brückner: Ich habe angefangen solche privaten Bilder aus dem Web zu sammeln, an die 300 Stück, und eine Dramaturgie in dieser Sammlung geschaffen. Die Strecke lag dann etwas, bis ich sie mir nach einem dreiviertel Jahr noch einmal angesehen habe. Ich hatte zu der Zeit mit einem Fotografen über die Stärke der Unschärfe in der Fotografie gesprochen – dabei habe ich bemerkt, je mehr ich von dem Hintergrund wegnehme, desto mehr wird die Person freigelegt, desto mehr konzentriere ich mich auf die Person, etwa seine Körpersprache. 

Haben Sie ein Feedback der Leute auf den Fotos bekommen? 

Nein, ich habe die nicht angeschrieben, sondern einfach nur die Bilder genommen, etwa von Flickr und anderen Fotoforen. Natürlich habe ich mir die Verwendung der Fotos rechtlich absichern lassen. 

Wie finden Sie als Profi eine Hobby-Fotografenseite wie Flickr? 

Ich finde es solche Seiten faszinierend – das war ja der Ausgangspunkt dieser Arbeit. Früher blieb das Private privat, man musste die Personen kennen, um solche Bilder sehen zu können. Jetzt kriegt man alles zu sehen, was man sehen möchte – und nicht sehen möchte. Das hat mich daran auch gereizt: was die Leute freiwillig von sich preisgeben ist visuell eine neue, interessante Erfahrung. Aber das möchte ich dazu sagen: Die Bilder sind losgelöst vom Internet, es geht bei dieser Strecke letztlich um Selbstdarstellung. 

Der Beruf des Fotografen wäre ohne den offenbar urmenschlichen Wunsch nach Selbstdarstellung nicht denkbar, oder? 

Ich bin froh darüber, sonst hätte es das Projekt nie geben können. Ich bin fasziniert von solchen Selbstdarstellungen, ich werte sie nicht. Mich verwundert gar nicht so sehr das Bedürfnis danach, aber es gibt etwa eine erotische Form der Selbstdarstellung, da wundert es mich, wie viel die Leute zeigen. 

 

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Artikel:

Claudia Gerdes / Magazin „Page“

In ihrem neuen Projekt „Space for“ kommentiert Ulrike Brückner Fotos aus dem Internet auf ganz eigene Weise.

Ja, ich will kommentieren, sagte sich Ulrike Brückner auf die Frage „Would you like to comment?“, die einem im Web heute andauernd gestellt wird. Auf Spurensuche nach der deutschen Iden­tität hatte sich die bereits mehrfach ausgezeichnete Berliner Gestal­terin, die sich bevorzugt im Grenz­be­reich zwischen Grafikdesign und Fo­tografie bewegt, in ihrem Buch „Hier“ begeben (siehe PAGE 09.07, Seite 68f.). In ihrer neuen Publikation „Space for (would you like to comment?)“, die im Oktober in der österreichischen Fo­to­hof edi­tion erscheint, geht es dagegen eher um die Auflösung von Identität in der Online-Bilder­flut.

Aus im Internet gefundenen Fotos schnitt Ulrike Brückner die Figuren von Menschen oder Tieren aus und platzierte sie in einem abstrakten Raum. Einerseits, so die Gestalterin, werden dadurch Körpersprache und Ausstrahlung konzentrierter vermittelt, andererseits entpersonifiziere die Unschärfe die Figuren und lasse sie zu Stell­ver­tretern oder Icons werden. Trotz oder gerade wegen der sachlichen Aufbereitung sind poetische und sehr emotionale Fotos entstanden.

 

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Fotobuch / space for 

Das Buch „Space for“ gewann 2009 den red dot award und wurde 2010 nominiert für den Designpreis Deutschland.

Publiziert bei: Fotohof Edition, Salzburg. 64 Seiten, 24 cm x 30,5 cm ISBN 978-3-902675-31-6.

http://www.fotohof.at/content.php?id=31&page=4